BERLIN. Zum Abschluss der Klausurtagung der Arbeitsgruppen Haushalt der
Koalitionsfraktionen zur Vorbereitung der parlamentarischen Beratungen zum
Bundeshaushalt 2012 erklärt der haushaltspolitische Sprecher der
FDP-Bundestagsfraktion Otto FRICKE:
Deutschland ist auf sehr gutem Wege, die Folgen der schwersten Wirtschafts- und
Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte schnell zu überwinden. Bei der
Verabschiedung der Maßnahmen zur Überwindung der Krise hat die Bundeskanzlerin
angekündigt, dass unsere Wirtschaft gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.
Dies ist geschehen und zeigt sich auch im Bundeshaushalt 2012, der
mittelfristigen Finanzplanung bis 2015 sowie am früher als erwarteten
Unterschreiten des Maastricht-Defizitkriteriums. Deutschland ist der
Wirtschaftsmotor und Stabilitätsanker in Europa. Insbesondere dank des stabilen
Aufschwungs und des im vergangenen Jahr umgesetzten Zukunftspakets wird die
Neuverschuldung nach den Plänen der Bundesregierung im Jahr 2012 mit rund 27
Milliarden Euro um rund 13 Milliarden Euro geringer ausfallen, als in der
bisherigen Finanzplanung unterstellt. Die gesamtstaatliche
Maastricht-Defizitquote wird bereits in diesem Jahr auf voraussichtlich 1½
Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zurückgehen. Damit wird der
Referenzwert von 3 Prozent bereits zwei Jahre früher als von der Europäischen
Kommission gefordert unterschritten.
Die christlich-liberale Koalition hat frühzeitig die Weichen für solide
Staatsfinanzen gestellt und behält den Kurs der erfolgreichen
Haushaltskonsolidierung unverändert bei. Wesentliche Ziele sind die Einhaltung
der verfassungsrechtlichen Schuldenbremse und der konsequente Abbau der
Neuverschuldung. Danach muss der Bund sein strukturelles Defizit bis zum Jahr
2016 auf maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (rund 10 Milliarden
Euro) zurückführen. In diesem und den kommenden Jahren werden wir bereits
deutlich unter der maximal erlaubten Neuverschuldung der Schuldenbremse liegen.
Dieser Erfolg reicht uns aber nicht: Mittelfristig wollen wir einen
ausgeglichen Bundeshaushalt ohne neue Schulden vorlegen, um dann den Abbau des
angehäuften Schuldenberges anzugehen. Dies ist auch eine Lehre aus der
aktuellen Schuldenkrise einiger EU-Länder, in der sichtbar wird, welche
dramatischen Konsequenzen eine uferlose Ausdehnung der öffentlichen
Verschuldung nach sich zieht.
Für die anstehenden Beratungen des Bundeshaushalts 2012 haben wir folgende
Leitlinien beschlossen:
Die im Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2012 vorgesehene
Nettokreditaufnahme in Höhe von 27,2 Milliarden Euro wollen wir angesichts der
aktuellen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach Möglichkeit
unterschreiten. Insbesondere weitere Verbesserungen bei den Steuereinnahmen und
bei den von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängigen Ausgaben des
Bundes (z. B. Ausgaben für den Arbeitsmarkt) sind zur Absenkung der
Neuverschuldung einzusetzen.
Wir werden alle Einzelpläne kritisch überprüfen und Einsparmöglichkeiten
suchen, beispielsweise bei Subventionen. Alle finanziellen Spielräume, die sich
im Rahmen der parlamentarischen Beratungen ergeben, sind vorrangig zur
Reduzierung der Nettokreditaufnahme einzusetzen.
Sollten in besonders zu begründenden Einzelfällen Maßnahmen beschlossen
werden, die die Ausgaben erhöhen oder die Einnahmen verringern, sind diese
unmittelbar, vollständig und dauerhaft im selben Einzelplan bzw. im selben
Politikbereich gegenzufinanzieren.
Im Hinblick auf die bestehenden und zukünftigen
Konsolidierungserfordernisse wird ein besonderes Augenmerk auf die im
Bundeshaushalt 2012 ausgebrachten Verpflichtungsermächtigungen und die sich
daraus ergebenden Vorbindungen und Vorbelastungen für die kommenden Jahre
gerichtet.
Wir werden Möglichkeiten suchen, zukunftsorientierte Aufgabenfelder und
wachstumsorientierte Schwerpunkte vermehrt zu stärken und dies ausgabenneutral
zu Lasten rein konsumtiver Ausgaben finanzieren.
Zu der in der kommenden Woche ebenfalls beginnenden parlamentarischen Beratung
zur Verbesserung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und der
im Herbst anstehenden Beratungen zur Einrichtung des dauerhaften Europäischen
Stabilitätsmechanismus (ESM) stellen wir fest:
Die Staatsschuldenkrise im Euroraum wird uns weiterhin intensiv beschäftigen.
Trotz aller bisher umgesetzten Stabilisierungsmaßnahmen konnte sie bisher nicht
beendet werden. Es geht daher jetzt darum, neben den kurzfristigen
Krisenmaßnahmen auch ein dauerhaftes Instrumentarium einzurichten, welches die
Eurozone und ihre gemeinsame Währung wieder auf solide Füße stellt. Das
betrifft die Erweiterung der EFSF und die Einrichtung des permanenten ESM, aber
auch die Verschärfung des Stabilitätspakts sowie die Umsetzung des
Euro-Plus-Pakts. Wir werden diesen Prozess konstruktiv kritisch begleiten und
insbesondere bei der gesetzlichen Umsetzung der Rettungsschirme dafür sorgen,
dass die Risiken für den Bundeshaushalt so gering wie möglich ausfallen. Das
Haushaltsrecht bleibt das Königsrecht des Deutschen Bundestages. Wir legen
daher großen Wert darauf, dass der Deutsche Bundestag bei allen wichtigen
Entscheidungen in angemessener Weise beteiligt wird. Viel mehr als bisher
müssen Entscheidungen auf europäischer Ebene mit weitreichenden finanziellen
Konsequenzen demokratisch legitimiert werden.
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