FDP stärkt Parlamentsrechte bei Eurostabilisierung
BERLIN. Zur Verabschiedung eines allgemeinen Parlamentsvorbehaltes im Rahmen
der EFSF-Ertüchtigung erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer und
haushaltspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Otto Fricke:
Mit dem nun vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Gesetz wird
Rechtsgeschichte geschrieben. Erstmalig ist es gelungen, einen flächendeckenden
Parlamentsvorbehalt bei allen, die Haushaltsverantwortung des Bundestages
betreffenden Entscheidungen der Bundesregierung zur Eurostabilisierung zu
erreichen. Damit sind die vom Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 7.
September 2011 aufgestellten Anforderungen einer Parlamentsbeteiligung sogar
übertroffen worden.
In seinem Urteil billigte das Bundesverfassungsgericht die Möglichkeit einer
erst nachträglichen Unterrichtung des Haushaltsausschusses in Eilfällen.
Demgegenüber wird nun auch in Fällen besonderer Eilbedürftigkeit oder
Vertraulichkeit eine vorherige Zustimmung eines Gremiums, das mit Mitgliedern
des Haushaltsausschusses besetzt wird, erforderlich. Das Gremium wird vom
Deutschen Bundestag für die Dauer einer Legislaturperiode gewählt.
Die lückenlose parlamentarische Legitimationsregelung setzt den Beschluss der
FDP-Bundestagsfraktion vom August in Bensberg in vollem Umfang um. Damit
erreichen wir ein Höchstmaß an parlamentarischer Kontrolle aber auch
Verantwortung. Zudem ist es gelungen, Fällen besonderer Eilbedürftigkeit und
Vertraulichkeit durch die Behandlung in einem kleinen Gremium des
Haushaltsausschusses gerecht zu werden und so einem Missbrauch durch
Spekulationen am Kapitalmarkt entgegenzutreten.
Die SPD, die eigentlich eine Vergemeinschaftung aller Schulden der Eurozone
mittels Eurobonds wollte, scheint nun auf den vernünftigen Kurs der Koalition
einzuschwenken. Nach ihrer kraftvollen "Enthaltung" bei der Einführung der EFSF
will sie nun staatstragend wirken. Jedoch macht die SPD den Vorschlag, dass ein
Drittel der Mitglieder im Gremium einer schnellen Rettungsaktion widersprechen
können muss. Damit würde die EFSF an entscheidender Stelle derartig geschwächt,
dass sie ihre stabilisierende Funktion nicht erfüllen könnte. Mit diesem
Ballast der SPD würde der Rettungsschirm nicht fliegen - allenfalls Europa um
die Ohren.
Die SPD, deren Finanzminister nicht nur die Aufnahme Griechenlands in die
Eurozone in Kenntnis seiner fehlenden Aufnahmefähigkeit befördert hat, sondern
auch den Stabilitäts- und Wachstumspakt auf dem Altar ihrer expansiven
Ausgabenpolitik opferte, will nun mit einer Vergemeinschaftung aller Schulden
durch Eurobonds den bereits angerichteten Schaden weiter vertiefen. Dem
gegenüber beweist die Koalition, dass sie in schwierigen Zeiten Verantwortung
für Deutschland und Europa trägt, indem sie auch weiterhin für eine europäische
Stabilitätsunion und gegen einen Schuldenunion eintritt.
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