Griechenland
Bei Griechenland, so titelten einige Zeitungen, schlug diese Woche die Stunde Null. Bis Donnerstag um 21 Uhr hatten die privaten Gläubiger die Möglichkeit, ihre Anleihen umzutauschen. So würde sich der Nominalwert der gehaltenen Anleihe mehr als halbieren und der Rest in Papiere umgetauscht, die zwar von der EFSF garantiert werden, jedoch eine lange Laufzeit und niedrige Verzinsung aufweisen. Bis Donnerstag Abend war zunächst fraglich, ob die notwendige Beteiligung der privaten Gläubiger an dieser Umschuldung erreicht werden würde. Ab einer Beteiligung von 75 % der Anleihesumme könnte eine Umschuldung auch beim Rest der Gläubiger durchgeführt werden. Unter diesen 75 % wäre der Schuldenstand Griechenlands unverändert hoch geblieben, und die Refinanzierung einer eines umzuschuldenden Kredits, die am 20. März ansteht, unmöglich. Dies wäre der Zeitpunkt für eine ungeordnete Insolvenz gewesen, wenn eine Umschuldung bis dahin nicht erfolgreich eingeleitet worden wäre. Eine solche ungeordnete Insolvenz hätte die dramatischen Folgen für die gesamte Eurozone, die ich bereits mehrfach in dieser Freiheitsfreunde-Mail dargestellt habe und die für mich die Motivation für die begrenzten Hilfen für Griechenland sind.
Kurz nach 21 Uhr am Donnerstag stand das Ergebnis des, von der FDP-Fraktion lange geforderten Haircuts fest: 85,8% der Gläubiger griechischer Anleihen stimmten dem Schuldenschnitt zu. Dies bedeutet, dass rund 152 Mrd. € der insgesamt 177 Mrd. € griechischer Anleihen freiwillig umgetauscht werden können. Die Griechische Regierung wird in diesen Umtausch, im Rahmen des vorvergangene Woche verabschiedeten "Greek Bondholder Acts", auch die restlichen Gläubiger einbeziehen. Für Anleihen, die nicht nach griechischem Recht begeben wurden, lag die Beteiligung am offerierten Umtausch zunächst bei 69 %. Die griechische Regierung wird daher die Frist für die Beteiligung am Umtausch für nicht nach griechischem Recht begebene Anleihen bis zum 23. März verlängern.
Ich halte das Ergebnis von Donnerstag Abend für einen ersten Schritt, eine Etappe einer langen Reise die Griechenland noch vor sich hat. Der Rheinländer würde sagen, die Griechen sind noch lange nicht an "Schmitz Backes" vorbei. Der oft geforderte Schalter, den man sich umzulegen wünscht, so dass alles wieder gut ist und alle Probleme gelöst sind, existiert leider nicht. Vielleicht sogar nie in der Politik. Und so heißt es weiterhin: in Grautönen denken und nach dem helleren Grau suchen!




