Haushaltskonsolidierung und Steuerstrukturreform sind zwei Seiten derselben Medaille
BERLIN. Zur aktuellen Steuerschätzung erklären der Vorsitzende der
FDP-Bundestagsfraktion Guido WESTERWELLE und der Vorsitzende des
Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages und Mitglied der
FDP-Bundestagsfraktion Otto FRICKE:
Guido WESTERWELLE:
"Wir appellieren an die Bundesregierung, sich auf diesen guten Zahlen nicht
auszuruhen und das Sparen nicht zu vergessen. Das ist die Regierung der
nächsten Generation und den Bürgerinnen und Bürgern, die diese
Steuermehreinnahmen erwirtschaftet haben, schuldig. Diese Steuermehreinnahmen
gehören nicht einer Regierung, sondern sie gehören dem Volk. Und deswegen ist
es notwendig, dass die Haushaltskonsolidierung jetzt ernst genommen wird und
dass gleichzeitig eine Steuerstrukturreform stattfindet, damit langfristig die
Haushalts- und Staatsfinanzen wieder solide werden. Haushaltskonsolidierung und
Steuerstrukturreform, das sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn
Haushaltskonsolidierung durch Konjunktur alleine, das ist leichtsinnig. Die
Konjunktur kann sich auch wieder ändern. Und damit eben auch in Zeiten etwas
schlechterer Konjunktur die Staatsfinanzen wieder in Ordnung kommen, brauchen
wir eine Steuerstrukturreform: Die Zeit dafür ist jetzt. Noch nie waren die
Voraussetzungen dafür so gut wie heute."
Otto FRICKE:
"Meine Damen und Herren, aus Sicht eines Haushaltsausschuss-vorsitzenden muss
man ergänzen, dass wenn diese Zahlen sich so bewahrheiten, die Aussage des
Finanzministers einen ausgeglichenen Haushalt des Bundes im Jahre 2011 erst zu
bekommen, wenig ambitioniert ist. Aber wahrscheinlich wird es so kommen, denn
es scheint so, dass der Bundesfinanzminister nicht die Unterstützung der
Bundeskanzlerin hat. Die Bundeskanzlerin hat bereits im November des letzten
Jahres die Büchse der Pandorra geöffnet und klar gemacht, dass ein Teil der
Steuermehreinnahmen für neue Ausgaben verwendet werden sollen, so z.B. für den
GKV-Bundeszuschuss. Wenn noch eine Chance besteht, wirklich dafür zu sorgen,
dass wir schnell einen ausgeglichenen Haushalt in dieser Legislatur bekommen,
dann muss die Bundeskanzlerin allen Ausgabenwünschen, die die Minister
angemeldet haben, klar einen Stopp entgegensetzen. Das sind gegenwärtig schon
über 30 Milliarden durch viele schöne Wünsche, aber es sind faktisch 30
Milliarden, die den Steuerzahler belasten würden.
Zweiter Punkt: Die Bundesregierung hat wohl auch aufgegeben, weiterhin
Sparvorschläge zu machen. Sie hat es ebenfalls aufgegeben, an die
Milliardenbeträge bei den Subventionen heranzugehen. Wenn wir ein
Wirtschaftswachstum haben, müssen wir uns doch fragen, warum wir dieselben
Subventionen haben, wie zu einer Zeit, als wir kein Wirtschaftwachstum hatten.
An diese Stelle muss die Bundesregierung ran. Die nächste Frage ist: Finden
jetzt die Mehrausgaben in Geheimverhandlungen in der Regierung statt oder
diskutiert man diese klar und öffentlich, und zwar mit dem Haushaltsverfahren
ab Juli im Bundestag und mit Beginn des Septembers dann im Plenum in den
Ausschüssen oder lässt man es weiterhin in der Hand der Bundesregierung. Hier
ist die Forderung der FDP eindeutig: Man muss bei solchen Einnahmen deutlich
die Diskussion in den Haushaltsausschuss bringen, nur dann macht es Sinn."
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